Digitalisierung und Innovation/ 25.11.2021 / Patrick Arnold

„Der Fokus entwickelt sich von den Unternehmensprozessen hin zu den Kundenbedürfnissen“ – Trendinterview zum Thema digitale Transformation

Welchen Weg schlägt die Digitalisierung gegenwärtig ein? Wie sollten Unternehmen sowie im Speziellen ihre CIOs darauf reagieren? Und welchen Stellenwert nimmt die Strategie dabei ein, wie wichtig ist die Technologie? Darüber haben wir mit unserem Experten Patrick Arnold gesprochen. Lesen Sie mehr: 

Digitale Transformation ist ein Schlagwort, das schon lange in aller Munde ist. Was hat sich in den letzten fünf Jahren denn wirklich verändert?

Obwohl wir unverändert von digitaler Transformation sprechen, hat sich die Bedeutung hinter diesem Schlagwort grundlegend gewandelt. In den vergangenen Jahren war mit Digitalisierung vor allem die Migration von analogen Prozessen und Medien in die digitale Sphäre gemeint. Im Fokus stand dabei, den manuellen Aufwand für die bisherigen Aufgaben zu reduzieren und damit Zeit und Kosten zu sparen – ohne jedoch die Prozesse im Hintergrund prinzipiell zu verändern.

Ein Beispiel aus der Frühphase der digitalen Transformation ist, dass Papierdokumente eingescannt und digital weiterverarbeitet werden. Mit Technologien wie Robotic Process Automation – kurz RPA – sind mittlerweile Ansätze vorhanden, um selbst komplexere manuelle Prozesse zu digitalisieren. Diese erste Stufe der digitalen Transformation war und ist richtig und wichtig. Der Fokus liegt hierbei aber lediglich auf dem Anwenderunternehmen, das seine etablierten Abläufe ressourcenschonender gestalten will.

Mittlerweile steht im Zusammenhang der digitalen Transformation noch eine weitere und auch weitreichendere Fragestellung im Vordergrund. Nämlich, wie sich digitale Technologien nutzen lassen, um auf neue und dynamische Kundenbedürfnisse einzugehen. Die Digitalisierung wird dabei vom Ende gedacht. Das heißt, Unternehmen heute lernen zunächst durch Dialog und Daten von ihren Kunden. Hierauf aufbauend entwickeln sie dann die passenden Produkte und Services sowie die entsprechende Prozesskette.

Was können – oder müssen – Unternehmen heute tun, damit sie in punkto Digitalisierung auch in Zukunft gut aufgestellt sind?

Heutzutage ist jede Branche und jedes Unternehmen mit den Anforderungen der Digitalisierung konfrontiert. Die konkreten Initiativen unterscheiden sich daher je nach Anwendungsfall erheblich. Was sie jedoch alle gemeinsam haben, ist die Kernfrage, wie sich Strategie, Technologie und Mensch in Einklang bringen lassen. Insbesondere in der strategischen und operativen Cloud-Transformation zeigt sich für uns immer wieder, dass dieser Ansatz für ein zufriedenstellendes Ergebnis absolut notwendig ist.

Trotz der großen Vielfalt an Anwendungsfällen lassen sich zudem einige Trendthemen identifizieren, die für fast jedes Projekt von Interesse sind. Um eine Digitalisierungsinitiative zu starten und durchzuführen, sollte zunächst ein Mindset der Kundenzentrierung bei allen Beteiligten verankert werden. Um die Datenkompetenz zu erhöhen, ist im Hinblick auf die Technologie der Aufbau eines Data Mesh sinnvoll. Die Cloud ist dabei die zentrale Innovationsplattform, sie ermöglicht die Integration der gesamten IT in einem Ökosystem-Ansatz. Die operative Umsetzung erfolgt schließlich durch agile und cross-funktionale Teams im engen Zusammenspiel mit dem Business – hierfür verwenden wir auch den Begriff BizDevOps.

Welche Rolle spielen Daten heutzutage? Und welche Art von IT-Landschaft ist am besten geeignet, um Datenanwendungen bestmöglich zu unterstützen?

Daten sind der wichtigste Innovationstreiber für moderne Geschäftsmodelle. Damit ist nicht gemeint, dass Daten nur gesammelt oder sogar weiterverkauft werden. Der exklusive, vertrauliche und datenschutzkonforme Zugriff auf die Kundendaten wird für Unternehmen als Business Asset immer wichtiger. Durch die Entwicklungen der letzten Jahre in den Bereichen Big Data, Künstliche Intelligenz und Cloud Computing haben Unternehmen die Möglichkeit, tiefe Einsichten aus den Daten zu erlangen und diese für Ihre Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen. Die Architektur moderner IT-Landschaften wird daher als Data Mesh konzipiert und ermöglicht hierdurch eine skalierbare und schnelle Datenverarbeitung.

Die strategische Vision hinter einer Transformation zum datengetriebenen Unternehmen besteht darin, stetig neue Angebote und Geschäftsmodelle im Hinblick auf den Kundennutzen zu entwickeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist Amazon. Aus der eigenen Exzellenz in der IT heraus hat der Konzern seine „Web Services“ zum führenden Cloud-Anbieter entwickelt. Mit „Fulfillment by Amazon“ stellt Amazon interessierten Händlern nun auch die eigene Logistik als Service zur Verfügung. In Zukunft werden immer mehr Unternehmen einen ähnlichen Weg gehen und auf agilem Wege digitale Produkte, Services und Geschäftsmodelle erfinden. Und damit erfinden sie sich auch als Unternehmen stetig neu.

„Sie können die digitale Transformation nicht delegieren“, lautet ein vielzitierter Spruch. Ist er zutreffend und, falls ja, warum?

Dies ist ein Klassiker guter Führung. Ein Vorgesetzter muss gerade bei Veränderung als gutes Beispiel voran gehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Strategie der Veränderung ohne Unterstützung entworfen werden sollte. Auch in der digitalen Transformation muss es Leader geben, die mit gemeinsam Team aus den unterschiedlichen Fachdomänen eine Strategie entwickeln. Die Digitalisierung ist eine der Kernfragen der Zukunft und stellt die Positionierung der Firma in der digitalen Welt dar. Genau deshalb lässt sie sich aus meiner Sicht auch nicht delegieren.

Zu guter Letzt: Welche Aufgaben hat ein moderner CIO und welche Ressourcen braucht es, um diese Rolle erfolgreich auszufüllen?

Die CIOs haben naturgemäß eine besondere Führungsrolle in der digitalen Transformation. Dabei müssen sie täglich die Balance zwischen technologischer, strategischer und menschlicher Seite behalten. Die übergeordnete Vision aus Sicht der CIOs ist, alle drei Faktoren unter ihrer Verantwortung zu einer erfolgreich funktionierenden Einheit verschmolzen wurden.

Die Rolle des CIO wird damit komplexer und anspruchsvoller, aber zweifelsohne auch vielfältiger und spannender. Über die Betreuung der etablierten Systeme hinaus kommt nun noch die Bewältigung des ganzheitlichen Transformationsprozesses hinzu. Gute CEOs und Führungsetagen erkennen, dass ihr CIO der wichtigste strategische Berater bei allen Fragen der digitalen Transformation ist und fördern dieses Rollenverständnis soweit es geht.  

Patrick Arnold ist IT-Consultant und Head of Technologie-Management bei der AUSY Technologies Germany AG. Sein Schwerpunkt liegt auf modernen IT-Architekturen sowie entsprechenden Technologie- und Entwicklungsansätzen. Hierzu berät er Kunden von AUSY Technologies, vorwiegend auf der Managementebene. Gemeinsam mit seinem Team verantwortet er im Technologie-Management für AUSY Technologies die Marktanalyse und Portfolioentwicklung.

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