Digitalisierung und Innovation/ 08.08.2022 / Rüdiger Azone

„Veränderte Kundenanforderungen werden auch über die Pandemie hinaus Bestand haben“

Anlässlich der aktuellen Lünendonk®-Studie 2022 „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ beantwortete unser Vorstand Rüdiger Azone die Fragen des Marktforschungsinstituts.

Themen des Interviews waren unter anderem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Herausforderung des IT-Fachkräftemangels sowie die Unternehmensstrategie bei AUSY Technologies.

Die vollständige Studie steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

LÜNENDONK: Die diesjährige Lünendonk-Studie hat gezeigt, dass der IT-Dienstleistungsmarkt im Jahr 2021 eine der stärksten Wachstumsraten in den letzten 20 Jahren verzeichnete, obwohl die ökonomischen Rahmenbedingungen nicht gut waren. Was waren aus Ihrer Sicht die Gründe und Treiber für die positive Entwicklung?

Rüdiger Azone: Die Pandemie hat den bestehenden Trend zur Digitalisierung über alle Branchen hinweg zusätzlich verstärkt, da viele Services aufgrund eingeschränkter persönlicher Kontakte nur noch online erbracht werden konnten. Diese veränderten Kundenanforderungen werden auch über die Pandemie hinaus Bestand haben, wie wir bereits jetzt beobachten können. Jedes Unternehmen wird ein IT-Unternehmen! Zusätzlich werden zum Beispiel durch das IoT immer mehr Produkte digital vernetzt und benötigen entsprechende Softwarelösungen, die daraus resultierenden Datenmengen erfordern zusätzliche Big-Data- und Artificial-Intelligence-Applikationen, die wiederum neue geschäftliche Möglichkeiten eröffnen. So verstärken sich diese Trends gegenseitig und führen zu einem stetig steigenden Bedarf an IT-Expertise. Diese Situation wird – mit kurzfristigen Schwankungen – auch langfristig anhalten und stellt unsere Kunden vor enorme Herausforderungen bezüglich Transformation, Innovation, IT-Modernisierung und Prozessautomatisierung, die trotz zum Teil fehlender Expertise und knapper Budgets parallel bewältigt werden müssen.

„Wir müssen noch attraktiver für Fachkräfte aus dem Ausland werden.“

LÜNENDONK: Der Mangel an Talenten für die digitale Transformation ist nicht neu. Über 100.000 Digital- und IT-Fachkräfte fehlen mittlerweile. Für viele Unternehmen ist der Fachkräftemangel derzeit das größte Problem bei der digitalen Transformation. Wie kann das Spannungsfeld aus Digitalisierungsdruck und dafür notwendigen Fachkräften aufgelöst werden?

Rüdiger Azone: Der von McKinsey vor 20 Jahren prophezeite „War for Talents“ ist in vollem Gange und die hohen Investitionen vieler Unternehmen, um selbst IT-Fachkräfte zu gewinnen, verschärfen den Mangel zusätzlich. Solange sich alle um den gleichen Talentpool streiten, erhöht das nur die Gesamtkosten für alle, lindert aber das Problem nicht. Hinzu kommt, dass die Informatik eine Ausbildung ist, die spezielle persönliche Fähigkeiten voraussetzt, sodass sich die Anzahl der Absolventen nur begrenzt erhöhen lässt. Außerdem gehen dem Arbeitsmarkt zunehmend Informatiker verloren, die in Rente gehen, was bisher in dieser relativ jungen Disziplin kaum der Fall war. Wir sehen drei Ansatzpunkte, um die Zahl verfügbarer IT-Experten für deutsche Unternehmen spürbar zu erhöhen:

Wir brauchen eine breit angelegte Marketing-Kampagne, die das Bild der IT in der öffentlichen Wahrnehmung korrigiert vom „Nerd-Techie-Image“ hin zu „coolen Teams, die smarte Produkte und Services für Menschen realisieren, die unser Leben verbessern und erleichtern“, um damit insbesondere viel mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen. Gesundheitswesen oder Umweltschutz sind Beispiele für Anwendungsgebiete, die traditionell stark von Frauen besetzt werden und bei denen die IT zunehmend an Bedeutung gewinnt und neue Möglichkeiten eröffnet.

Wir müssen noch attraktiver für Fachkräfte aus dem Ausland werden, insbesondere auch aus Ländern außerhalb der EU, und dies gezielt fördern. Hier stehen wir in einem globalen Wettbewerb und brauchen eine entsprechende Willkommenskultur ohne bürokratische Hürden.

Unternehmen und IT-Dienstleister müssen noch mehr Near- und Offshore-Modelle mit entsprechenden Kollaborationsmodellen nutzen (verteilte agile Teams, Vergabe von Work Packages), um auch mit Fachkräften im Ausland zusammenzuarbeiten. Hierfür sind zunehmend nicht primär Kostengründe entscheidend, sondern die Verfügbarkeit benötigter Expertise.

LÜNENDONK: Die IT rückt immer mehr an das Business heran und stellt damit die Grundlage für künftiges Wachstum und Differenzierung. Folglich kommt bereits knapp die Hälfte der Projektanfragen an IT-Beratungen aus den Fachbereichen sowie aus cross-funktionalen Teams. Nehmen Sie diese Entwicklung ebenso wahr und wie wirkt sich dieser Trend auf die Projektumsetzung aus?

Rüdiger Azone: Wir sehen diesen Trend auch und verstehen uns daher nicht nur als Technologie-Experten, sondern als agiler Enabler für geschäftliche Innovation und Transformation, die unsere Kunden erfolgreich macht. Eine maßgebliche Rolle spielt hierbei das agile Modell, das auf cross-funktionalen, selbstorganisierten Teams beruht. Wir verbinden daher in einem BizDevOps-Ansatz Business-Know-how, Softwareentwicklungs-Know-how und IT-Operations-Know-how für unsere Kunden – sowohl als Berater als auch als Umsetzungspartner. Dazu kommt, dass die Software in vielen Fällen nicht mehr nur dazu dient, das Produkt zu erstellen, sondern im Kern das Produkt ist, was natürlich das Gewicht der Fachseite und den Bedarf an IT-Expertise dort signifikant erhöht.

LÜNENDONK: Kommen wir noch auf die Entwicklung von AUSY Technologies zu sprechen. Wachstum ist keine Strategie, sondern das Ergebnis von langfristig zufriedenen Kunden und Mitarbeitern, ist eines Ihrer Leitmotive. Können Sie das etwas genauer erläutern?

Rüdiger Azone: Im Mittelpunkt unseres Unternehmensleitbilds stehen langfristige Vertrauensbeziehungen zu Kunden, Mitarbeitern und Projektpartnern. Zufriedene Kunden, die uns zusätzliche Aufträge geben, und Mitarbeiter, die gern in unserem Team arbeiten und uns weiterempfehlen, führen in der Folge zu einem nachhaltigen Wachstum. Dafür steht auch unser Claim „IT starts with people“.

„IoT und künstliche Intelligenz entfalten ihren Nutzen erst im Zusammenspiel mit anderen Technologien, insbesondere auch mit Cloud-Lösungen und Data Analytics.“

LÜNENDONK: AUSY Technologies arbeitet sehr intensiv und als strategischer Partner für international tätige Konzerne. Wie nehmen Sie mit Blick auf die Zukunft die Auswirkungen auf den IT-Markt in Zeiten steigernder Inflationsraten, Lieferkettenstörungen und der Situation in der Ukraine wahr?

Rüdiger Azone: Wie wir aktuell sehen, sind praktisch alle Unternehmen durch globale Lieferabhängigkeiten „international“. Unsere Kunden und auch wir selbst stellen uns auf eine Zeit andauernder Unsicherheit und permanenter Veränderungen ein, an die wir uns als Unternehmen ständig flexibel anpassen müssen.

LÜNENDONK: Zum Schluss noch eine Frage zum Stand der digitalen Transformation. Laut unserer Studie legen die CIOs in den kommenden Jahren etwas weniger Fokus auf IoT und künstliche Intelligenz, dagegen aber mehr auf Data Analytics und Cloud- Transformation. Was schließen Sie aus diesem etwas überraschenden Ergebnis?

Rüdiger Azone: IoT und künstliche Intelligenz entfalten ihren Nutzen erst im Zusammenspiel mit anderen Technologien, insbesondere auch mit Cloud-Lösungen und Data Analytics. Daher sprechen wir mit unseren Kunden auch lieber über „Connectivity Solutions“, „Smart Products“ oder „Customer Intelligence“, die für das Zusammenspiel dieser Technologien stehen und auch den Nutzen für das Business ausdrücken.

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