Digitalisierung und Innovation / 11.08.2021 / Melanie Vettel

Desktop -Apps mit UX/UI Design für Mobile Devices modernisieren

„Mobile First!“ Nach diesem Motto werden Webseiten und Service-Apps heute oftmals entworfen, denn die Nutzer greifen immer häufiger von ihren mobilen Endgeräten auf sie zu. Bei älteren Software-Produkten – insbesondere im Unternehmenskontext – ist allerdings noch keine mobile Version des Frontends vorhanden und somit die Desktop-Version der Standard.

Soll Mitarbeitern jedoch ermöglicht werden, von zu Hause oder auch von unterwegs aus auf die Applikation zuzugreifen, braucht es eine responsive Oberfläche, welche für die jeweiligen Touchpoints an den Endgeräten beziehungsweise Anwendungsfälle optimiert ist.  

Die gute Nachricht: Es ist dafür nicht zwingend notwendig, die Applikation von Grund auf neu zu entwickeln. Vielmehr lässt sie sich mit einer mobilen Oberfläche ergänzen, über die die Nutzer alle Funktionalitäten des Programms aufrufen und bedienen können. Damit dieser Transfer von Desktop auf Mobile gelingt, für die User Experience und das User Interface (UI) Design braucht es ein fundiertes Konzept. Dieses sollte die Nutzung auf den mobilen Endgeräten und die Mehrwerte für den Nutzer in den Fokus stellen.

Die Nutzung mobiler Endgeräte nimmt stetig zu – auch im Beruf

Doch zunächst noch ein Blick auf die steigende Relevanz des Themas: Der Branchenverband Bitkom prognostiziert für das Jahr 2021 beeindruckende Zahlen auf dem Smartphone-Markt in Deutschland. Dazu gehören unter anderem:

·       22 Millionen Neugeräte gehen über die Ladentheke

·       Acht von zehn Bundesbürgern nutzen ein Smartphone

·       Drei Viertel aller Befragten würden eher auf ein Auto als auf ein Smartphone verzichten

·       Das Ökosystem rund um Smartphones setzt 2021 insgesamt 35 Milliarden Euro um

Für Applikationen, die sich an Konsumenten und Privatkunden richten, ist eine ansprechende User Experience (UX) auf mobilen Endgeräten also nicht mehr wegzudenken. In der Geschäftswelt ist der Desktop-Rechner zwar noch das bevorzugte Arbeitsmittel – doch auch dies ändert sich allmählich:

Zum einen sind Mitarbeiter als User in ihrem Alltag bereits mobile Endgeräte gewöhnt und erwarten eine ähnliches Bedienerlebnis zunehmend auch im Beruf; vor allem dann, wenn sie eher über das Mobiltelefon auf Informationen und Dienste zugreifen möchten.

Zum anderen steigert der mobile Zugriff auf Programme und Informationen die Produktivität. So ist es zum Beispiel eine sinnvolle Erleichterung für Vertriebsaußendienstler, wenn sie am Smartphone Kundenkonktakte aus der Customer Relationship Management (CRM)-Datenbank heraussuchen können – oder auch Vertriebsmaterialien aus dem Content Management System (CMS) auf ihr Tablet laden und dem Kunden vor Ort zeigen. Vielmals ist das mobile Endgeräte auch der einzig mögliche Touchpoint für die Nutzer, weil z.B. als Außendienstmitarbeiter im Handwerk oder als Fahrlehrer die räumliche Situation oder der übergeordnete Arbeitsauftrag oft kein größeres Endgerät zulässt.

Der Transfer von Desktop- zu Mobile-Applikation beginnt mit der Nutzerperspektive

Bevor die Entwicklung einer neuen Nutzeroberfläche beginnt, sollte auf Basis von fundiert erhobenen Nutzerdaten oder auch sogenannten qualitativen Nutzerbefragungen die Anforderungen erhoben werden. Die Resultate, auch Findings genannt, werden zusammen mit Business und Produkt Ownern in einem Workshop priorisiert. So lassen sich die Mehrwerte bzw. Funktionalitäten für die Applikation definieren.

Dabei stehen die Fragen im Vordergrund, wer die Usergruppen sind, in welchen Zusammenhängen sie die Anwendung oder Service bevorzugt nutzen, bei welchen Aufgaben die Applikation sie bestmöglich unterstützt und was aktuell ihre Pain Points sind. Auch die konkrete Situation, in der die App genutzt wird, gehört dazu: Als Zusatzgerät zur Arbeitsunterstützung, daheim auf der Couch mit einem Tablet in der Freizeit – oder als einziger Zugang zu einem Service im Outdoor-Bereich?

Auf Basis der Analyse der Nutzerinformationen lässt sich ein Zielbild für das digitale Produkt entwickeln, das dann agil mit einem Entwicklerteam entwickeln lässt.

Der „Mobile First“-Ansatz findet sinnvollerweise dann Einsatz, wenn die Nutzer vorwiegend mit einem Mobilgerät zugreifen werden oder die Mobilversion der strategisch gesehen beste Einstieg in den Markt ist. Im Fall von bestehenden Alt-Systemen, die einer mobilen Version bedürfen, kann die Desktop-Version weiterhin bestehen bleiben. Nach Einführung der mobilen Version ist diese aber bei den Entwicklungs- und Vermarktungsmaßnahmen zu favorisieren.

Digitale Angebote sind nur dann wirtschaftlich erfolgreich, wenn sie ansprechend für Nutzer sind

Letztlich entscheiden stets Nutzer, über welche Kanäle sie auf Angebote zugreifen. Deshalb ist zu empfehlen, eine umfassende Nutzeranalyse stets als Basis für grundlegende Entscheidungen heranzuziehen. So gilt es eben auch zusammen mit den involvierten Fachbereichen anhand von Nutzertest zu validieren, ob so die gesetzten Business-Ziele erreicht werden. Die Mehrwerte für die Nutzer verdienen – noch vor den Geschäftszielen – die meiste Aufmerksamkeit. Sind die Nutzer nämlich zufrieden, werden die Geschäftsziele fast immer erfüllt.

Bei der Design-Entwicklung sollte nach dem Prinzip des Lean UX vorgegangen werden: In einem iterativen Vorgehen werden Designentwürfe entwickelt, mit Nutzern vertestet und Schritt für Schritt verfeinert. Eine höhere Gesamteffizienz wird erreicht, wenn das Design Team seine Sprints mit dem Entwicklungsteam synchronisiert, die Applikation also sowohl gestalterisch als auch funktional agil entsteht.

Wie dies in der Praxis aussieht, erfahren Sie in unserem nächsten Blogartikel zum Thema UIX Design.  

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