Digitalisierung und Innovation / 25.08.2021 / Christian Reusrath

Lean UX/UI Design in der agilen Softwareentwicklung

Die Anforderungen an User Interfaces (UI) – also Bedienoberflächen – eines Softwareprodukts sind mit dem Siegeszug mobiler Endgeräte vielfältiger und komplexer geworden. In jeder erdenklichen Bildschirmgröße sollen sich die Nutzer in den Funktionalitäten gut zurechtfinden und dabei ein komfortables User Experience (UX) – also Bedienerlebnis – erhalten. In der Softwareentwicklung gilt deshalb: Je früher UX/UI Design in den Entwicklungsprozess mit einbezogen wird, desto besser.

Dank agiler Methoden ist dies in der Praxis längst möglich. Während zu Zeiten des Wasserfallmodells die UI sowie Nutzertests erst relativ spät im Entwicklungsprozess berücksichtigt wurden, lässt sich UX/UI Design heute vom ersten Sprint an mitdenken und implementieren. Schließlich ist die Idee agiler Methoden, so früh wie möglich ein funktionales Inkrement der Softwarelösung bereitzustellen und dieses auf die Bedürfnisse der Nutzer hin zu entwickeln. Die Bedienbarkeit ist dafür ein wesentlicher Bestandteil.

Lean UX/UI Design ermöglicht agile und nutzerfreundliche Softwareentwicklung

Die Philosophie des „Lean Management“ hat zwar ihren Ursprung in der industriellen Fertigung. Sie lässt sich aber sowohl auf die Softwareentwicklung als auch auf UX/UI Design anwenden. Was dahinter steckt? Das Ziel, jede Art von Verschwendung, die in einem Prozess anfällt, zu identifizieren und zu minimieren. In Bezug auf UX/UI ließe sich der Lean-Gedanke auf die kurze Formel bringen: „Lass alles weg, was Deine Nutzer nicht glücklich macht.“

In vielen Entwicklungsprojekten ist leider das Gegenteil zu beobachten – nämlich Verschwendung durch Überproduktion: Die Applikation wird mit allen erdenklichen Funktionalitäten und Bedienelementen ausgestattet. Dies geschieht zwar in guter Absicht, ist am Ende aber kontraproduktiv. Greifen die Nutzer in der Praxis nämlich nur auf einen kleinen Teil der Applikation zu, stellt dieser einen unnötigen Ballast dar. Überschüssige Features und Designelemente beanspruchen die Hardware-Ressourcen sowie die Aufmerksamkeit der Nutzer genauso, ohne einen Mehrwert zu bringen.

Um dies zu vermeiden, arbeitet das Lean UX/UI Design bereits von Beginn des Entwicklungsprozesses an mit Prototypen und Nutzertests. Es gilt herauszufinden, welche Features und Bedienelemente die Nutzer wirklich interessieren – und welche besser wegzulassen sind. Zu Beginn haben Product Owner oft bestimmte Annahmen über die Interessen und das Verhalten der Nutzer im Kopf, die sich in der Realität aber nicht bestätigen. Lean Design UX/UI hilft also dabei, die kostbare Zeit des Entwicklungsteams sinnvoll einzusetzen und Fehlentwicklungen zu unterbinden.       

Praxisbeispiel: Eine Intranet-App mit agilem UX/UI Design

Für einen Kunden modernisierte das Team von AUSY Technologies eine App, die den Mitarbeitern Inhalte aus dem Intranet des Unternehmens sowie aus externen Portalen zugänglich macht. Zudem ermöglicht die App den Mitarbeitern, bestimmte Vorgänge in ihrem Arbeitsalltag auszuführen; unter anderem Wegbeschreibungen, Raumbuchungen oder Krankmeldungen.

Bei einem initialen Expert Review der App durch AUSY Technologies war aufgefallen, dass die bisherige Version noch einige Schwachstellen in Bezug auf die Nutzerführung und das Corporate Design aufwies.

Das Projekt verfolgte daher die beiden folgenden Zielsetzungen: Erstens, das App UI Design nach den aktuellen Gestaltungsrichtlinien der Marke zu überarbeiten; dies umfasste Hintergründe, Farben, Icons, Illustrationen und weitere grafische Komponenten. Und zweitens, die App-Bedienung und -Navigation auf die Prioritäten der Nutzer hin auszurichten. 

Hierzu stellte AUSY Technologies ein Team aus den folgenden Rollen bereit:

  • 2 UX/UI Designer
  • 8 Developer
  • Scrum Master
  • Proxy Product Owner – zuständig für die Koordination zwischen technischer und fachlicher Product Ownership

Diese Technologien und Methoden kamen bei der Entwicklung zum Einsatz:

  • Agile Software- und Designentwicklung nach Scrum
  • Nutzerumfragen und -tests im Hauptstandort des Unternehmens
  • UX/UI Design mit Sketch und Zeplin für das einfache und schnelle Zusammenarbeiten mit den Entwicklern
  • Hybride Entwicklung der App auf iOS und Android mit dem Ionic Framework in Angular; das Frontend sollte responsiv auf verschiedenen Gerätetypen (Smartphone, Tablet) ausgegeben werden

Sprint um Sprint nahm die neue App schließlich Gestalt an. Die Nutzerumfragen und -tests halfen wesentlich dabei, Navigation und Bedienung nach den tatsächlichen Wünschen und Prioritäten der Mitarbeiter zu entwerfen. Hierdurch stieg die Wahrscheinlichkeit einer hohen Akzeptanz für die neu gestaltete App. Die Vorteile des Lean UX/UI Design liegen für uns und den Kunden hierdurch deutlich auf der Hand.

Sie möchten erfahren, wie sich Lean UX/UI Design nutzen lässt, um eine Desktop-Alt-Applikation mit einer modernen Mobile-Version zu modernisieren? Dann lesen Sie auch unseren bereits erschienenen Beitrag zu diesem Thema.

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